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Energiewirtschaft

Solarstrom braucht Marktwirtschaft

Innovative Ideen

Der Thurgauer Marco Rüegg lancierte bereits im Jahr 2014 mit der Fairpower Cloud ein virtuelles Stromprodukt für Privatkunden. Aufgrund der nicht realisierten Marktöffnung hielten sich jedoch die Absatzzahlen in Grenzen. Im Jahr 2020 ist die von Marco Rüegg gegründete Firma Fairpower AG erneut am Start mit einem einzigartigen Produkt. Es brauche jedoch für einen durchschlagenden Erfolg eine Anpassung bei der Berechnung der Netzkosten.

Solarstrom direkt vermarkten

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Seit geraumer Zeit kann lokal erzeugter erneuerbarer Strom an Mieterinnen und Mieter im selben Gebäude, auf demselben Areal und an Gebäude auf benachbarten Parzellen verkauft werden. Somit erhöht sich der Eigenverbrauch und der Solarstrom kann direkt vor Ort verbraucht werden. Fairpower geht einen Schritt weiter und verkauft den Solarstrom-Überschuss an industrielle Verbraucher an anderen Standorten in anderen Gemeinden. Im kürzlich realisierten Projekt von Weinfelden nach Müllheim.

Ausspeiseprinzip

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Bei der Ausspeisung des Solarstroms im Netz des industriellen Verbrauchers fallen, wie bei jedem anderen Bezug aus dem Netz, Gehühren an, die sogenannten Netzentgelte. Die Netzentgelte werden über alle Spannungsebenen des Stromnetzes berechnet, also über die Niederspannung, Mittelspannung, Hochspannung und Höchstspannung. Höhere Spannungen werden benötigt, um den Strom über weite Strecken zu befördern, da die Verluste kleiner sind. So gelangt der in bündnerischen Wasserkraftwerken produzierte Strom ins Unterland.

Netzentgelte anpassen

Beim Transport des Solarstroms vom Produzenten zu einem Verbraucher in der Nachbargemeinde werden zwei Spannungsebenen genutzt, die Niederspannung (Netzebene 7) und die Mittelspannung (Netzebene 5). Trotzdem muss bei der Ausspeisung beim Verbraucher Netzentgelt für alle Spannungsebenen bezahlt werden. Dies müsse angepasst werden, meint Marco Rüegg. „Wenn die Netzentgelte nur für die tatsächlich genutzten Netze bezahlt werden müssen, wird es wirtschaftlich noch spannender den Strom in die Nachbargemeinde zu liefern.“ meint Rüegg. Es mache absolut Sinn, den Strom dort zu nutzen wo er produziert wird. Somit könne man die Stromnetze entlasten.

Marktwirtschaftliche Anreize

Damit künftig auf Fördermodelle für erneuerbare Energien verzichtet werden kann, braucht es aus Sicht von Marco Rüegg keine neuen Förderungen vom Staat. Die Politik sei jedoch gefordert, geeignete Rahmenbedingungen und Anreize zu schaffen, um den massiven Zubau von erneuerbarem Strom, insbesondere Solarstrom, voranzutreiben.

Der Energie- und Informatikfachmann stelle sich gerne zur Verfügung für die Entwicklung eines effizienten Strommarkt-Modells.

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